Pongs

„Die Toten sind unter den Lebenden, immerzu. Sie wohnen in den Erinnerungen, in den alten Fotos und den Briefen von damals. Sie ziehen durch die Träume. Sind gegenwärtig an den Familientischen, bei Kaffee und Kuchen, wenn von früher erzählt wird. Und sie verschwinden erst ganz, wenn auch die sterben, die sich an sie erinnern.“

Brief vom 9.1.1919 – geschrieben in Tours/Frankreich

31139 Willy Pongs Reservist

P.W.Labor.Co. 103
A.P.O. 708
Amer. E.F.

9.1.19 Meine liebe Marta!
Sende Dir bei guter Gesundheit die herzlichsten
Grüße und wünsche Dir ………….
Angehörigen ein recht fröhliches neues Jahr.
Es geht mir noch gut, was ich auch von
Euch allen hoffe, am liebsten möchte ich aber mal
wissen, wie es mit Dir ……………. ist.
Vor 8 Wochen habe ich die erste Karte
mit meiner Adresse an dich abgesandt,
……… aber bis heute noch keine Antwort
darauf, hoffentlich bekomme ich aber bald
wieder einmal Post von Dir und auch
von meiner Mutter möchte ich nochmal
ein Lebenszeichen haben. Wie ist es mit
meinen Brüdern, sind sie eigentlich noch mit
dem Leben davon gekommen oder sind sie
noch in letzter Stunde ein Opfer des Krieges
geworden, hoffentlich nicht. Nun grüße alle Lieben,
besonders meine Mutter und sei selbst noch
herzlich gegrüßt u. geküsst, von deinem Willy,
auf Wiedersehen und bleib mir treu.

alte Bilder (I)

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war es sehr verbreitet, kleine auf Karton aufgezogene Fotografien als fotografische Visitenkarten („carte-de-visite“) im Freundes- und Bekanntenkreis zu verteilen. Dies geschah nicht zuletzt auch, um bei der/dem Angebeteten auf sich aufmerksam zu machen oder sich in Erinnerung zu rufen. Auf den Rückseiten befanden sich meistens kunstvoll gestaltete Firmenwerbungen der jeweiligen Fotografen. Hier einige Bilder aus dem Fotoalbum meiner Großmutter.

Die Familie in Farbe

Die beiden Bilder müssen ziemlich alt sein, mein Urgroßvater starb 1917 und fehlt auf der zweiten Aufnahme. Friedchen ist 1903 geboren und Rudolf im zeitgemäßen Matrosenanzug ist 1906 geboren. Otto und mein Großvater fehlen auf den beiden Bildern, vielleicht waren sie als Soldaten schon im Krieg.

 

Auch das Foto meiner Großmutter mit ihrer Familie wird locker über 100 Jahre alt sein.

 

Mein Großvater ganz links, auf der Hochzeit seiner Schwester und rechts die Urgroßeltern

 

Meine Ur-Urgroßeltern aus Boppard mit ihren Kindern, ca. 1912

Friedrich August Karlstedt (1852 – 1931) – (II)

Nach Gottes, hl. Willen entschlief
heute früh 1¼ Uhr, nach schwerem,
aber geduldig ertragenem Herzleiden;
mein lieber Mann, unser guter
Vater, Schwiegervater, Großvater;
Urgroßvater, Schwager, Onkel und
Großonkel, der wohlachtbare Herr

Friedrich August Karlstedt
Schneidermeister

Vorher gestärkt, mit den Tröstungen
der hl. kath. Kirche, sanft und gott-
ergeben im Alter von 79 Jahren.
Um ein Gebet für den lieben Ver-
storbenen bitten:

Die trauerden Hinterbliebenen.

M.Gladbach-Waldhausen, Venn,
Essen, Bocholt, Viersen, Heerlen
(Holland), Starsdale (U.S.A.),
den 24. Januar 1931

Die Ueberführung der Leiche erfolgt
Dienstag morgen 8¼ Uhr vom
Trauerhause, Roermonderstraße 138;
zur Rektoratskirche Waldhausen, da-
selbst ½9 Uhr feierliches Seelenamt,
hieran anschließend die Beerdigung
auf dem Friedhofe in Venn.
Sollte jemand aus Versehen keine
besondere Einladung erhalten haben;
so wolle man diese Anzeige als solche
betrachten.